Hans Ginter I Ausstellung vom 07.11.08 bis 30.10.09
Vita
Hans Ginters kreative Kraft hat ihren ganz eigenen Rhythmus; ein Konzept, das mit künstlerischen Laissez-faire im landläufigen Sinne nichts zu tun hat!
Zunächst wird berechnet und kalkuliert. Der Künstler konzentriert sich ohne Hektik, sondern mit sorgfältiger Überlegung auf das, was dann in Perfektion auf die Leinwand gebracht wird. Die Farbgebung ist klar, bevor der passende Pinsel ausgesucht wird. Das Atelier ist staubfrei, des Künstlers Hand ist ruhig, denn das Bild ist in seiner Phantasie bevor der erste Pinselstrich gesetzt ist.
Ginter studierte in der Schweiz zunächst Grafikdesign. Seine ersten freien konkreten Arbeiten entstehen in den 70er Jahren.
Ein großes Vorbild, aber auch sein Lehrer und Arbeitgeber, war der berühmte Anton Stankowski. Ginters Leidenschaft für die Kunst des Konstruktivismus wurde in den 80er Jahren zu seinem Hauptberuf. Was ist das eigentlich - Konstruktivismus?
Konstruktivismus ist die Auseinandersetzung mit konkreten Bildelementen wie Fläche, Linie, Punkt und Farbe. Konstruktivismus ist die Kunst, sich auf das Wesentliche schnörkellos zu beschränken. Ginter verfüllt der Faszination berechneter Raumgliederung. Das Quadrat, ein aussagekräftiges, absolut eigenständiges Element wird hier meistens als Bildträger genutzt, aufgeteilt, aneinandergereiht, ausgelotet, zerpflückt, überlagert, ruhig gestaltet oder nervös aufgesplittet.
Spielerisch freie Formen finden nicht statt - es bleibt kein Platz für Zufälle. Die Devise heißt zunächst "Ordnung schaffen", um gegebenenfalls aus ihr auszubrechen - reizvolles Chaos wird nur selten, dann aber sehr bewusst als Kontrapunkt zur kalkulierten Systemisierung eingesetzt.
Auch in Ginters ausgestellten Plastiken zeigt sich, wie die
Perfektion zur Maxime wird. Gebündelte Forminformationen führen den
Betrachter automatisch um die ganze Figur herum. Es gibt keine
Vorder- oder Rückseite, jede Ansichtsfront vertieft oder erweitert
die Information der anderen.
Diese Objekte nehmen das Prinzip der
Reihungen aus den Bilderzyklen auf. Dünne Säulen und Stäbe, die in
gleichmäßig hintereinander gesetzte Reihen z.B. einen optisch
massiven Würfel bilden, werden durch raffiniert gesetzte Farbakzente
scheinbar in Bewegung gebracht.
Ganz nebenbei sei erwähnt, dass die exakte Linienführung und
Rasterung nicht schabloniert gespritzt wird, sondern von Hand mit
dem Pinsel aufgetragen ist. Was dem aufmerksamen Betrachter fast
unmöglich zu sein scheint.